Kirche Guthirt – Eine österliche Kirche

Die Entwicklung der Bevölkerung ist seit jeher eng mit der Kirchengeschichte verwoben. Während des zweiten Weltkriegs hatte Thusis grosse Truppen-Einquartierungen zu verzeichnen. Nach Kriegsende blühte die Bautätigkeit mit Wohnhäusern, Strassen und Kraftwerken. Fremdarbeiter und Reisende liessen nicht nur Thusis, sondern auch die katholische Kirchgemeinde wachsen. Diesen Anstieg konnte das kleine Herz-Jesu-Kirchlein nicht mehr fassen. Eine neue, deutlich grössere Kirche sollte gebaut werden. Ein Bestreben, das über Jahre reifen musste.

1941, also noch vor Kriegsende, wurde ein Baufond im bescheidenen Wert von CHF 400 .– eröffnet. Zur restlichen Finanzierung des Bauvorhabens waren über mehr als zwanzig Jahre Anstrengungen nötig. So waren dies Bettelpredigten und -briefe, Kirchen- und Hauskollekten, ein grosser Bazar sowie eine finanzielle Beteiligung der politischen Gemeinde, durch den Bau von Sanitätsstellen unter dem Kirchengebäude.

Im Oktober 1962 war es dann endlich soweit: das Architekturbüro Otto Capeder aus Chur wurde mit der Ausarbeitung eines Studienprojektes beauftragt. Wegen ihrer immer noch knappen Finanzlage verzichtete die Baukommission auf einen Architektur-Wettbewerb. Als Qualitätssiegel holte man jedoch über das Projekt Capeder ein zusätzliches Gutachten des bekannten Kirchenbauers Fritz Metzger aus Zürich ein. Zwei Jahre später setze man den Grundstein und nach nochmals zwei Jahren wurde die Kirche feierlich am 17. April 1966 eingeweiht. Das Ergebnis war die Mühe von allen wert; ein gemeinschaftliches Unternehmen, das lange gedauert hat, kommt schliesslich zu einem erfolgreichen Abschluss.

Ende 1962 bis Dezember 1965 fand in Rom das zweite Vatikanische Konzil statt. Als Leitbild hob das Konzil die Kirche als «Volk Gottes unterwegs» und als «Gemeinschaft» hervor. Jesus Christus, der auferstandene Herr, ist der Hirte des Volkes. Er leitet und begleitet es durch die Geschichte.

Dieses Leitbild des Guten Hirten wurde in der Bauweise der Kirche aufgenommen und interpretiert. Auf klassische Christusdarstellungen mit herkömmlichen Gemälden oder Statuen verzichtete man ganz bewusst.

Auch wenn seit der Einweihung einige bauliche Elemente verändert wurden oder dazu kamen, so hat man sich immer wieder den ursprünglichen Werten zurück besonnen. Diese Annäherung war speziell während den Innenrenovationen von 2006 ein festes Ziel.
Heute haben wir eine ausdrucksstarke, kontrastreiche, in ihrer Schlichtheit bannende, österliche Kirche. Das aussagekräftige architektonische Programm lässt jedem Raum und heisst alle, mit ihren persönlichen Gebeten, Gedanken und Bedürfnissen Willkommen. Eine offene Kirche für die Gemeinschaft.

 

Orgelgeschichte

Seit der Kircheneinweihung 1966 diente eine Kleinorgel als begleitendes Instrument. Ursprünglich als Provisorium geplant, stand sie beinahe 50 Jahre im Einsatz. 2004 kümmerte man sich zum ersten Mal ernsthaft um eine Erneuerung, eine mehrköpfige Orgelkommission nahm sich dem Projekt «grössere Orgel» an. Nebst den Raumverhältnissen und der bestimmenden Architektur, die es zu bewahren galt, erwies sich besonders die Finanzierung als «Knacknuss». Doch die unermüdlichen Bemühungen haben sich ausbezahlt, an Pfingsten 2012 konnte die neue Orgel eingeweiht werden. Seit diesem ersten Einsatz kann man sich die Kirche Guthirt ohne die Begleitung durch «die Königin der Instrumente» nicht mehr vorstellen; die Orgel hat sich sowohl in der Liturgie wie auch bei Konzerten bewährt.

 

Kunstführer Guthirt Kirche Thusis, 2016
Marc Antoni Nay und Katholische Kirchgemeinde Thusis

Film zur Guthirt Kirche Thusis
Eine Produktion der Katholischen Kirchgemeinde Thusis, 2016

 

 

Die Seelsorger

1896 Matthias Hemmi aus Churwalden
1900 Josef Brandt aus Beinwil
1905 Franz Rädler
1910 Josef Burgmaier aus Bayern
1919 Joseph Bühler aus Domat/Ems
1933 Dr. Johannes Stolte aus Deutschland
1936 Dr. Alcide Vasella aus Chur
1962 Markus Rieder aus Vals
1969 Gabriel Schnyder aus der Innerschweiz
1975 August Bissig aus der Innerschweiz
1982 Umberto Riedo aus Plaffeien
1988 Giovanni Crameri aus Poschiavo, Diakon
mit Gion Rest Cadruvi, Pfarrprovisor, 1988
mit Dr. Franz Annen, Pfarradministrator, 1998
2012 Dr. P. Francis Alakkalkunnel VC, Kerala, Indien
2018 Dr. R. Okongwu, Nigeria, Afrika
2020 Andreas M. Fuchs, Pfarradministrator, Chur
mit Jilan Chelemben, Pfarreikoordinator, 2020

 

Quellen:
Archiv Katholische Kirche Thusis
Guthirt Kirche Thusis, Marc Antoni Nay, 2016 Verlag Desertina
Orgel-Einweihung Katholische Kirche Thusis, Pfingsten, 27. Mai 2012